Die Himmelsfrucht

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Teil 2 von 4 der Hintergrundgeschichte von Mîrhaven

Als die Rauchwolken sich verzogen hatten und der Dunst des Vergessens sich über die Gestade der Insel legte, wuchs verborgen vor aller Augen ein Setzling zu einem stattlichen Baum heran. Es war kein gewöhnlicher Baum. Jene, die über die Elemente geboten, die Götter Akadi, Grumbar, Istishia und Kossuth, pflanzten ihn. Nie wieder sollten die Elemente in ihrer Urgewalt gegeneinander kämpfen.

Der Setzling war eine Mahnung an das Geschehene. Grumbar umhüllte die noch zerbrechlichen Wurzeln vorsichtig mit Erde und Kossuth erwärmte sie. Akadi umgab diese zarte Pflanze mit klarer Luft und Istishia nährte sie mit einem niemals endenden Quell frischen Wassers. Aus der einstmals so zarten Pflanze wurde über die Jahrhunderte ein gigantischer Baum. Sein Stamm war so dick und hoch, dass es wohl keinen vergleichbaren auf Amdir gab. Niemand, der unter seinem gewaltigen Wipfel Schatten suchte, war eines bösen Gedankens fähig.

Diesem Baumriesen entwuchs eine Frucht, ein Kristall, so klar wie ein Gebirgsquell. Das Licht spiegelte sich darin wie Flämmchen, die im Wind zu tanzen schienen und ihr Duft glich dem frischer Erde. Wieder vergingen unzählige Jahrhunderte, ehe die Frucht ihre Reife erlangte. Sie reifte heran und fiel auf die Erde, auf dass sie dort in nahrhaftem Boden einen weiteren Spross des Friedens austreiben würde. Von Akadis Atem wurde sie weit nach Süden getragen und dort von Grumbars Schoß behütet. Lange Zeit geriet sie in Vergessenheit …

… zu einer Zeit als Mîrhaven noch nicht mehr als eine kleine lose Siedlung war, welche sich am linken Ufer des Lebensflusses schmiegte, herrschte auf Amdir eine recht große Dürre. Schon seit Wochen hatte es nicht geregnet. Trotz der herrschenden Hitze hatten sich die Menschen Großes vorgenommen. In diesem Jahr stand der Ausbau des Tyr-Tempels an. Die Bewohner litten sehr unter der Trockenheit. Doch hatte diese eine noch weitaus gefährlichere Nebenwirkung: Zahlreiche Goblinhorden zog es zum Flussufer zum Wasser hin. Immer wieder überfielen sie Gehöfte, welche außerhalb der Holzpalisade lagen. Je länger die Trockenheit anhielt, umso dreister wurden die Goblins und so drohte nach einiger Zeit sogar eine Belagerung der Siedlung, weil sie sich nun permanent am Flussufer aufhielten. Außerhalb des Dorfes war niemand mehr sicher.

Trotz all dieser widrigen Umstände begann man mit den Arbeiten. Allerdings kam man nur sehr langsam voran. Zum einen musste man immer wieder Männer zur Bewachung der Siedlung abstellen, zum anderen war der Boden mittlerweile durch die anhaltende Trockenheit steinhart. Hinzu kam, dass die Gemüter der bis an ihre körperlichen Grenzen belasteten Menschen sehr erhitzt waren. Die Stimmung war gereizt, es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Menschen bis man bei den Schachtarbeiten auf jene seltsame Frucht stieß. Im ersten Moment war man wohl nur überrascht und fasziniert von der Schönheit dieses seltsamen Kristalls. Man verständigte den Priester und als er den Stein aus der Grube holte und ihn in die Hand nahm, begann er in einem weichen gelblichen Licht zu pulsieren. Wie eine unsichtbare Welle durchzog es die Siedlung. Erst traf es die Menschen, welche sich vorher noch am liebsten an die Gurgel gegangen wären. Ihr Streit war vergessen und sie waren friedfertig wie eh und je. Und selbst die Goblins, welche außerhalb der Siedlung lagerten, schienen davon erfasst zu werden und zogen unverrichteter Dinge zurück in die Wälder.

Natürlich erkannte der Priester die Kraft, welche in dem Stein steckte. Zwar konnte er sie nicht erklären oder genau deuten, aber zumindest wusste er um die Wirkung. Seit dem Fund gingen die Arbeiten am Tempel gut voran und die Menschen lachten nur über den vergangenen Streit. Der Kristall wurde nach der Fertigstellung des Tyrtempel in seinen Hallen in einem Schrein gelagert …

Fortsetzung der Chronik - Teil 3: Die Ära des Friedens